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Zu Besuch in Südafrika 2014

2014-08-16

Südafrika,

um es gleich vorweg zu sagen: das war einer meiner härtesten Touren. Ich fahre immerhin schon seit 11 Jahren mit dem Gespann, war schon mehrmals in Russland, war am Nordkap im Winter und bei Rallyes in Portugal. Aber Südafrika war eine besondere Herausforderung.

Nicht nur das linke Motorrad, sondern auch der fehlende Beiwagenantrieb machten mir zu schaffen.

Aber zu den Fakten:

Die Tour war vom 26.04.2014 bis 03.05.2014.

Ca. 1300 km waren zu bewältigen

11 Gespanne, 22 Personen

5 Unfälle, davon 2 Totalschäden.

 

 

 

Also der Reihe nach:

Meine Tochter Kerstin begleitete mich auf dieser Tour. Nach 14 Stunden Reisezeit kamen wir in Johannesburg an. Wir kamen auf Einladung von Ryno und seiner Frau Alpha nach Südafrika. Ryno hat einen wirklich lässigen Ural-Laden außerhalb von Johannesburg.

 

 

Am ersten Tag brachen wir zeitig auf, um die 800 km von Johannesburg nach Nieu Bethesda via Auto mit Anhänger zu bewältigen.

 

 

In Nieu Bethesda trafen wir die übrigen Mitfahrer der Tour. Die Stadt selbst hat Ihren  Ursprung im Jahre 1875 und ist vor allem bekannt durch das „Owl House“. Dies blieb uns jedoch leider verborgen, da wir lieber in einer kleinen Brauerei das Honigbier verkosteten. Gleich am ersten Abend konnten wir einen wirklich spektakulären Sonnenuntergang erleben und genossen unser Abendessen im „Karoo Lamb“, wo wir zum ersten Mal Bekanntschaft machten mit einer der Leibspeisen der Südafrikaner, Lamm. Als Randbemerkung: Lammfleisch wird in vielen verschiedenen Varianten kredenzt, gewürzt, ungewürzt, gekocht, gegrillt… Schmecken tut es jedoch immer nach Lamm.

 

 

 

Beim Essen lernten wir gleich alle mutigen Fahrer und Beifahrer der Tour kennen sowie die dazugehörigen Fahrzeuge. Die Südafrikaner vergeben  alle Name für ihre Maschinen wie zum Beispiel Frodo, Sergej, Narki oder The Eagle. Unser Gefährt, das von Ryno und Isaac, dem Mechaniker optimal vorbereitet wurde, hieß Hari. Angenommen wird, dass dies ohne Hintergedanken ausgewählt wurde.

 

 

 

Die Route führte hauptsächlich durch die „Karoo“, eigentlich eine Semi-Wüste. Uns zeigte sich die Karoo jedoch von ihrer „grünen“ Seite, da Wochen, bevor wir anreisten, ziemliche Niederschläge das ganze Land heimsuchten und wir so die Flora in ihrer vollen Blüte bewundern konnten.

 

 

Gleich am ersten Tag zerplatzten meine Illusionen, die ich mir zu Hause ausgemalt hatte, wie Seifenblasen. Ich erahnte schon, was auf mich zukam. Von 08:00 Uhr früh, unsere tägliche Abfahrtszeit, bis spät abends befuhren wir nur abenteuerliche Offroad Strassen, mal trocken, mal nass, da teilweise einige schöne Wasserpfützen unseren Weg durchkreuzen wollten, diese waren aber gerade recht zum Aufwärmen, für die Beifahrer, die sogenannten „monkeys“ oft zum Abkühlen. Wir bekamen auch einige Regentropfen ab, aber alles in allem ist das Wetter Ende April vergleichbar mit unserem Frühling. Zum Abendprogramm gehörte vor dem Abendessen das obligatorische Bier, was unsere staubigen und durstigen Körper brauchten, da wir auch selbst Hand an unseren Maschinen anlegen mussten. Durch den vielen Staub, der durch den wilden Ritt aufgewirbelt wurde, mussten wir jeden Tag den Luftfilter wechseln.

 

 

Der nächste Tag verlief ähnlich, auch an diesem Tag sollten wir keine Teerstrassen sehen. Wir durchquerten den Oukloof Pass, Fraserburg und landeten schließlich in Sutherland, dem kältesten Ort in Südafrika, wo wir in einem Hotel übernachteten.

 

 

Die Tour war generell komplett durchorganisiert mit wunderschönen Unterbringungen. Diese erfolgten zum Großteil auf Farmen, die als Nebenerwerb Zimmer für Wanderer, Radfahrer und auch Ural Fahrer anbieten und eine sehr familiäre Atmosphäre gestalten. Zum Abendessen wurden meistens selbst gebackenes Brot mit Butter als Vorspeise, (natürlich) Lamm und  auch eine Nachspeise serviert. Auch das Frühstück am nächsten Morgen ließ nicht zu wünschen übrig, sehr deftig und stärkend für den ganzen Tag. Einfach „lekker!!“, wie die Südafrikaner sagen.

 

Am Tag 3 endlich – zum ersten Mal in Südafrika  Teerstraßen, und zwar sehr schöne! Dieser Tag führte uns über den landschaftlich einmaligen Rammelkop Pass, Prince Albert und den Swartberg Pass, bei dem man von oben einen wunderschönen Ausblick über die Landschaft hatte, die sogar leicht an die österreichische erinnerte, bis Kruisrivier, eine wirklich abgelegene Farm, die auch wunderschön gepflegt war. Jedes Schlafzimmer hat dort ihre Besonderheit, sowie ihren Namen. Wir bekamen das „Horse wagon“-Zimmer, bei dem ein 200 Jahre alter Pferdewagen mitten im Raum stand, als auch das originale Hochzeitskleid der Urururgroßmutter der sympathischen Farmerin, die in jungen Jahren sogar die Wachau bereist hatte.

 

 

Am vierten Tag unseres Abenteuers starteten wir nach einer erholsamen Nacht in einen leicht verregneten Tag. Bald kam die Sonne heraus und begleitete uns durch Oudshoorn, dem Kamanassie River entlang nach Uniondale, wo wir eine kurze Mittagspause einlegten. Erneut gestärkt machten wir uns dann auf den Weg nach Baviaans Kloof zur Baviaans Lodge, mitten im Gebirge, wo wir ohne Elektrizität wieder einen sehr unterhaltsamen Abend hatten. Kurz bevor unserer Ankunft passierte mir leider auf den letzten 50 Meter ein kleines Missgeschick. Mein „Hari“ wurde von einem großen Stein am Beiwagen gestreift, der sich hinterhältig im hohen Gras versteckt hatte und plötzlich kam die Erde näher. Wir lagen auf einmal auf der Fahrerseite! Nach einem kurzen Schreckmoment sammelten wir uns wieder und schoben unser Gefährt die letzten Meter zur Unterkunft. Dort wurde es dann erstklassig von Ryno und seinen Gehilfen versorgt. Schäden konnte man keine sehen,  jedoch war die Zylinderkopfmutter ein bisschen verbogen, was zu einem Ölverlust im Zylinder führte. Genügsam, wie die Ural-Motorräder jedoch sind, ließ sich der Schaden mit einer aufgeklebten Rand Münze beheben und so fuhr Hari weiter bis zum bitteren Ende!

 

 

Ein anderes Gespann hatte zuvor leider nicht so viel Glück und kam in einer Kurve ins Schleudern. Ein Totalschaden, ein gebrochener Zeh und eine gebrochene Schulter waren das Ergebnis. Ja ja, „Africa ist not for sissies“, wie die Südafrikaner so sagen.

 

 

Tag 5 dieses Trips werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Nach dem mittlerweile verdauten Schock des Vortages machten wir uns mutig auf, um uns durch die 40 Kilometer in Richtung Baviaans Kloof zu kämpfen. Dieser Pass war der einzige, den Ryno, unser Gastgeber, Tourguide und Motordoktor nicht kannte. Laut Erzählungen war er zwar steil, aber zu meistern. Eigentlich sollten wir am Vormittag durch sein… Dem war nicht so! Für diese Strecke brauchten wir den GANZEN Tag! Kaum für Außenstehende vorzustellen, aber die Steilheit, die wir ohne Beiwagenantrieb überwinden mussten, die riesigen Steine, die unseren Weg übersäten, sowie meine fast abgebrannte Kupplung machten das Fahren zu einer fast unbewältigbaren Herausforderung. Oft schonten wir unsere Motorräder und schoben sie lieber den Berg hinauf, als zu fahren. Für was hat man denn auch den „monkey“? Immer nur ruhig im Beiwagen zu sitzen, das kann doch nicht alles sein. Hier wurde man auf Herz und Nieren geprüft, Ausdauer, Kraft und Wagemut wurden getestet. Wobei neben dem Spaß auch anzumerken ist, dass einige Versuche, den Berg hinaufzukommen, auch leicht ins Auge hätten gehen können und wir uns wirklich alle gefreut haben, als wir das nahende Ende sehen konnten. Da wir unser Kilometerziel für diesen Tag nicht erreicht hatten, wurde spontan eine Unterkunft bei einem Bauer organisiert, bei der wir auch Zeuge eines typisch südafrikanischen Rituals, dem „Braai“ (Grillen), wurden. Das bezeichnet eine gesellige Abendbeschäftigung, bei der die Nahrungsaufnahme, das Grillen von Fleisch, fast schon in den Hintergrund tritt, da mehr das Miteinander geschätzt wird und natürlich das wieder ein obligatorisches Bier, oder zwei… Es wurde viel gelacht und gescherzt, was nach so einem anstrengenden Tag sehr auflockernd war.

 

 

Auf die Route an Tag 6 hatte ich mich schon sehr vor unserem Reiseantritt gefreut. Hierbei durchquerten wir den Nationalpark „Baviaanskloof“, zu Deutsch „das Tal der Paviane“. Dies ist  das drittgrößte Naturschutzgebiet in Südafrika, in dem wir verschiedenste Affen, sowie Elands, südafrikanisches Wild, und vor allem Strauße, die es im ganzen Karoo wie Sand am Meer gibt, beim Vorbeifahren zu winken konnten. Auch landschaftlich war es ein absolutes Highlight mit dem zerklüfteten Terrain und dem klaren, gleichnamigen Fluss. Die „Straßen“ waren jedoch wieder eine Herausforderung. Der Onkel Doktor konnte zwar meine Kupplung etwas reparieren, jedoch war dafür der E-Starter ausgefallen. Mit einigen Anfeuerungsrufen und Motivation schaffte es mein Beifahrer und auch die anderen Fahrer jedes Mal, die Ural zum Laufen, ähm, zum Fahren zu bringen. Auf dem weiteren Reiseweg ergatterten wir auch einen Blick aufs Meer, sowie eine sanfte Meeresbrise in der Nase, die von Port Elizabeth herüber wehte. Unser Ziel, das Zuurberg Inn, ein wunderschönes Spa-Hotel, erreichten wir leider erst sehr spät, da wir vom berühmt berüchtigen Tag 5 noch Kilometer aufholen mussten. Also ging sich leider keine heilsame Sauna oder Massage für unsere durchgerüttelten Körper mehr aus. Jedoch entschädigte uns das Abendessen in Buffetform absolut, wobei es, leider leider, diesmal kein Lamm gab.

 

 

Am letzten Tag unserer Reise fuhren wir den prächtigen Zuurberg Pass hinab und kamen bei Ann’s Villa heraus, der allerersten Pension in Südafrika. Kurz darauf hatten wir unglücklicherweise den zweiten Totalschaden. Auf den Schottenpisten kann man ja grundsätzlich schon mit 80km/h dahinbrausen, wenn nur nicht die großen Staubwolken wären, die überraschende Löcher und Regenrinnen auf der Straße überdecken. Eine dieser Regenrinnen wurde dem unerschrockenen Pärchen, Bryan und Barbara, zum Verhängnis. Bryan übersah diese und machte den Abflug. Hierbei brach sich die mutige Barbara das Becken und wurde in Somerset East in einem Krankenhaus behandelt. Nach diesem unerfreulichen Tag vor dem Krankenhaus wurde die Strecke kurzerhand geändert und wir fuhren über Teerstraßen nach Nieu Bethesda retour,  zu unserem Ausgangspunkt und dem Ende dieses Abenteuers.

 

Resumee: Wie anfangs schon erwähnt, ist so ein Trip wirklich eine Feuertaufe für jeden Ural-Fahrer und für Anfänger definitiv nicht geeignet. Wer jedoch eine gewagte und kühne Ader in sich verspürt und auf jeden Fall Lamm nicht verschmäht, ist absolut gut beraten, an solch einer Tour teilzunehmen und ein wahres Abenteuer zu erleben. Wir haben wirklich nette und hilfsbereite Menschen kennengelernt, da unterscheiden sich die südafrikanischen Ural Fahrer nicht von den unsrigen! Auch die wunderschöne Landschaft mit ihren weiten Ausblicken hat sich tief in unser Gedächtnis gebrannt und wird uns so schnell nicht mehr loslassen. Wir haben definitiv eine andere Seite von Südafrika gesehen, die wahnsinnig beeindruckt und beim Verlassen ein wehmütiges Gefühl hinterlässt. Bei wem nun Interesse mit unseren Erzählungen geweckt wurde und es sich zutraut, auch ab und zu über seine eigenen Grenzen hinauszublicken, kann sich jederzeit bei uns melden und einen absolut unvergesslichen Abenteuerurlaub zu erleben!

Birgit & Kerstin

 

 

 

 

 

 

 

Aktualisierung: 2014/08/16 - 14:38 / Redakteur: congenia staff
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